Strukturierte Bewerberinterviews besser als Bauchgefühl


Immer wieder hört man von Personalern wie auch von Führunbgskräften, dass ihr Bauchgefühl sie noch nie getrogen hat und das dieses für ihre Personalauswahlentscheidung ausschlaggebend sei. Diese Einschätzung ist jedoch irrig.

Wiesner & Cronshaw (1988) konnten in einer Metaanalyse nachweisen, dass die Kriteriumsvalidität (z.B.: der spätere Berufserfolg) für Bewerberinterviews vom Standardisierungs-, bzw. Strukturierungsgrad abhängig ist. Je höher die Strukturierung, desto besser die Prognose. Der Grund dafür besteht darin, dass strukturierte Interviews normalerweise das Ergebnis von arbeitsplatzbezogenen Anforderungsanalysen sind (wie sie auch von der DIN 33430 gefordert werden). Sich Anforderungen bewußt zu machen und diese direkt prüfen zu wollen unterscheidet sich gravierend vom intuitiven Wissen vieler Entscheider - die letztendlich nur “im Prinzip” wissen, wie sie ihre Anforderungen messen und bewerten.

Daher die Empfehlung: gute Personalauswahl ist das Ergebnis excellenter Vorbereitung und nicht Verlaß auf das Bauchgefühl. Diese Erkenntnis umzusetzen sollte oberstes Ziel in Personalauswahlprozessen sein - nicht zuletzt vor dem Hintergrund des AGG.

Dr. Thomas Randhofer

Literatur:
Wiesner, W.H. & Cronshaw, S.F. (1988). A meta-analytic investigation of the impact of interview format and degree of structure on the validity of the employment interview. Journal of Occupational Psychology, 61, 275-290.

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